
„Das nächste Kapitel der gefeierten Moon Knight-Ära von Autor Jed MacKay! Marc Spector, Avatar, Krieger und nicht zuletzt Faust des Khonshu, ist dank seines ägyptischen Gottes ein weiteres Mal von den Toten auferstanden. Doch sein altes Revier in New York City wird vom neuen Gangsterboss Achilles Fairchild mit der magischen Droge Glitter überflutet. Also stellen sich der knallharte Mondritter und seine Gefährten um Tigra und Hunter’s Moon der Bedrohung. Allerdings hat Achilles mehr Macht, als Moon Knight und seine multiplen Persönlichkeiten Marc, Jake und Steven zunächst annehmen.“ – Panini Comics
Mit Moon Knight Die Faust des Khonshu 1 beginnt kein klassischer Neustart, sondern eher ein nahtloses Weitererzählen einer Figur, die ohnehin nie wirklich zur Ruhe kommt. Moon Knight ist zurück im Spiel und das fühlt sich von der ersten Seite an konsequent und richtig an. Marc Spector ist wieder der Avatar seines Gottes, wieder zerrissen, wieder getrieben und genau das macht diesen Band so stimmig.
Die Geschichte setzt direkt an den jüngsten Ereignissen an, ohne Leserinnen und Leser komplett im Regen stehen zu lassen. Das beiliegende Intro und die zusätzliche Einordnung helfen enorm, um wieder reinzukommen, ohne den Erzählfluss auszubremsen. Besonders angenehm ist, dass der Comic nicht versucht, sich künstlich neu zu erfinden. Stattdessen baut er auf dem auf, was zuvor gut funktioniert hat, und verschärft Ton und Konsequenzen.
Inhaltlich geht es härter und direkter zur Sache. Die Bedrohung ist greifbar, brutal und bewusst nicht kosmisch überhöht. New York fühlt sich gefährlich an, dreckig und verletzlich. Marc steht erneut zwischen seinen Persönlichkeiten, seiner Mission und dem Willen von Khonshu, der hier weniger mystischer Mentor als fordernder Antreiber ist. Dieses Spannungsfeld trägt den gesamten Band und sorgt dafür, dass Moon Knight nicht als einfacher Vigilant wirkt, sondern als jemand, der ständig kurz davor ist, die Kontrolle zu verlieren.
Besonders gelungen ist die Dynamik mit Tigra und Hunter’s Moon. Sie geben Marc Halt, spiegeln ihm aber auch gnadenlos, wie gefährlich sein Weg ist. Das sorgt für emotionale Reibung, ohne in endlose Selbstreflexion abzudriften. Der Comic bleibt fokussiert und zieht sein Tempo konsequent durch.
Zeichnerisch passt der Band perfekt zur Stimmung. Die Panels sind düster, teilweise roh, aber nie unübersichtlich. Action wirkt wuchtig, Gewalt hat Gewicht und die ruhigeren Momente lassen Raum für Atmosphäre. Gerade Moon Knights innere Zerrissenheit wird visuell stark transportiert, ohne auf billige Effekte zurückzugreifen.
Natürlich ist nicht alles perfekt. Wer einen komplett abgeschlossenen Einstieg erwartet oder einen klaren Neuanfang, wird merken, dass dieser Band stark von vorherigen Entwicklungen lebt. Außerdem ist der Cliffhanger am Ende bewusst gemein gesetzt. Aber genau das gehört zu Moon Knight und fühlt sich hier nicht erzwungen an.
Unterm Strich ist Die Faust des Khonshu 1 ein starker Auftakt in eine neue Phase, die sich eher wie eine Eskalation anfühlt als wie ein Reset. Düster, fokussiert und emotional geerdet. Für Fans der Figur fast schon Pflicht und für Neueinsteiger überraschend gut zugänglich, wenn man sich auf den Ton einlässt. Moon Knight bleibt eine der interessantesten Figuren im Marvel Kosmos und dieser Band zeigt sehr deutlich warum.