
„Als ein grauenvolles Monstrum aus der Phantom-Zone in Metropolis für Entsetzen und Verwüstung sorgt, muss Superman auf Ursachenforschung das geisterhafte Reich alleine betreten! Doch es kommt nicht nur zum schockierenden Wiedersehen mit einem alten Freund, sondern zu Supermans Rückkehr zu seinen Eltern – auf Krypton!“ – Panini Comics
Superman 6 fühlt sich an wie ein klassischer Superman Band mit moderner Handschrift. Die Geschichte greift tief in die bekannte Mythologie ein, ohne dabei staubig oder überladen zu wirken. Die Phantom Zone steht im Zentrum, aber nicht als bloßer Fanservice Ort, sondern als Ausgangspunkt für eine größere Reise, die Superman sowohl körperlich als auch emotional fordert.
Was gut funktioniert, ist der Umgang mit Supermans Verletzlichkeit. Nicht im Sinne von Kräfteverlust als reines Gimmick, sondern als erzählerisches Mittel, um ihn aus seiner Komfortzone zu holen. Er ist hier weniger der allmächtige Retter und mehr der Suchende, der Antworten braucht. Das verleiht dem Band eine ruhigere, fast nachdenkliche Grundstimmung, die sich angenehm von reiner Action abhebt.
Die Rückkehr nach Krypton ist dabei weniger spektakulär als vielmehr melancholisch. Statt großer Enthüllungen stehen Atmosphäre und Emotion im Vordergrund. Krypton wirkt nicht wie ein glorifizierter Heimatplanet, sondern wie ein Ort voller Verlust und verpasster Möglichkeiten. Genau das macht diese Passagen stark, auch wenn sie erzählerisch bewusst langsamer sind.
Zeichnerisch ist der Band durchweg solide. Die Phantom Zone hebt sich visuell klar von den Szenen auf Krypton ab, was die unterschiedlichen Stimmungen gut transportiert. Nicht jede Seite schreit nach ikonischem Moment, aber insgesamt bleibt der Stil konsistent und angenehm zu lesen. Besonders die ruhigeren Panels profitieren von klaren Gesichtsausdrücken und guter Bildführung.
Nicht alles sitzt perfekt. Der Band wirkt stellenweise etwas überfrachtet, vor allem durch Nebenhandlungen, die eher begleiten als wirklich tragen. Diese Passagen sind nicht schlecht, fühlen sich aber wie Beiwerk an und nehmen der Hauptstory minimal an Fokus. Zum Glück kippt das nie in Beliebigkeit, sondern bleibt stets sauber eingebunden.
Unterm Strich ist Superman 6 ein runder, gut geschriebener Band, der mehr auf Stimmung und Charakter setzt als auf Daueraction. Wer Superman als Figur mit innerem Konflikt schätzt, wird hier definitiv abgeholt. Es ist kein Meilenstein und kein lauter Knaller, aber ein durchdachtes Kapitel, das Lust darauf macht, zu sehen, wie diese Geschichte weitergeführt wird. Genau die Art von Superman Comic, die man nach dem Lesen nicht sofort vergisst, sondern noch ein wenig nachhallen lässt.